Göttingen 2015: Stipendiatin und SAZ-Wahlen

Endlich mal wieder eine Dame: Sophia Wagner aus Potsdam ist die neue Stipendiatin der Jury Spiel des Jahres. 3000 Euro bekommt die junge Geowissenschaftlerin, um die Kosten für vier einwöchtige Praktika in der Branche zu decken. Dort bekommt die Nachwuchs-Autorin Einblicke in Redaktion, Autorenstube, Handel und Museum - um gestärkt mit diesem Wissen viele tolle Spiele herbeizuzaubern.

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Bild: Wieland Herold

Ich mache es mir einfach, denn die Jury erzählt so schön, wie es lief:

Für das Autoren-Stipendium 2015 sind zehn Bewerbungen eingegangen. Drei Nachwuchsautoren und zwei Autorinnen wurden nominiert, die die Juroren Jochen Corts, Jens-Peter Schliemann und Janosh Kozák (Vorjahressieger, Anm. Cheffe) gründlich unter die Lupe nahmen.

Praktikumsplätze bieten 2015/16 die Firma Ravensburger, das Deutsche Spielemuseum in Chemnitz, die Spieleburg Göttingen und Jens-Peter Schliemann an. Da sein SpieleErfinderStudio in seiner bisherigen Form nicht mehr besteht, ist Schliemanns Angebot jetzt universitär geprägt. Die Stipendiatin begleitet ihn während eines Spielerfinderseminars am Cologne Game Lab, ein Studienangebot der kulturwissenschaftlichen Fakultät an der Fachhochschule Köln.

Der 20. Preis ging 2015 nach Potsdam. Sophia Wagner, die mit 30 Jahren jüngste Kandidatin, ist Geowissenschaftlerin. Ihr Magisterstudium hat sie im Herbst 2014 an der Universität Potsdam abgeschlossen. Schon als Kind hat sie sich spielerische Welten auf vielen zusammengeklebten DIN A4-Blättern erschaffen, mit Regeln, die nur sie und ihr damaliger Freund verstanden, die sie aber tagelang unterhalten konnten. Seit 2011 beschäftigt sie sich ernsthaft mit dem Spieleerfinden, war 2013 erstmalig auf dem Autorentreffen in Göttingen und ist inzwischen regelmäßig an einem Berliner Spieleautorenstammtisch beteiligt. Nach dem Abschluss ihres Studiums hat sie sich ausschließlich auf die Entwicklung ihrer Prototypen konzentriert.
In Göttingen stellte sie ihre erste Spielidee APOCALYPSE DAEMONICUS vor. Ihr Kampf der Magier findet dabei auf einem beweglichen Spielplan statt, der durch seine Variabilität besonders Vielspieler anspricht. Auch GOBLIN GOLD RUSH ist ein eher komplexes Spiel mit einer witzigen Hintergrundgeschichte. Da fährt ein Goblin mit einer alten Dampflokomotive durch den Wilden Westen. Die Bewegung in unterschiedlichen Landschaften regulieren drei Kessel der Goblin-Lok. Eine spannende Fortbewegung, zumal die Kessel, wenn sie zu sehr unter Dampf stehen, explodieren können.
Die Jury war besonders von der Intensität überzeugt, mit der Wagner ihre Spielentwicklungen angeht, sie habe sich dem Spiel verschrieben. Trotz eines gewissen Sogs zum Komplexen sei Sophia Wagner breit aufgestellt. Sie arbeite vor einem fundierten theoretischen Hintergrund, zeige viel Kreativität und entwickle pfiffige Ideen.

Spieleautoren sind scheinbar studierte Leute: Neben der Gewinnerin waren Daniel Fehr (promovierter Germanist), Sven Groh (Wirtschaftsingenieur), Markus von der Heyde (promovierter IT-Berater) und Anna Oppolzer (Kunst- und Germanistik-Magistra). Holla die Waldfee, alles Akademiker.

Verliehen wurde das Stipendium übrigens im Rahmen des Autorentreffens in Göttingen.


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Dort versammelt sich auch wie üblich die Spiele-Autoren-Zunft SAZ. Ein neuer Vorstand wurde dort gewählt und eine neue Satzung verabschiedet.

Vorsitzender der SAZ ist nun Marco Teubner, er löst Ulrich Blum ab. Stellvertreter ist Hartmut Kommerell, Schatzmeister Christian Beiersdorf. Teubner ist erfolgreicher Autor von Kinder- und Familienspielen, ein sehr angenehmer Mensch und wie ich weiß ein regelmäßiger Tric-Trac-Leser.
Außerdem soll künftig ein Geschäftsführer den Vorstand entlasten und die Professionalisierung der Organisation vorantreiben.

Die neue Satzung, so die SAZ, "schärft das Profil der SAZ als Interessenvertretung nach § 36 des deutschen Urhebergesetzes, gleichzeitig wurde die Organisations­struktur den heutigen und künftigen Erfordernissen angepasst." Wie dies genau aussieht, wird leider nicht erwähnt.

Und drittens schließlich wird die SAZ ab 2016 neuer Partner und Mitveranstalter des Göttinger Autorentreffens. Reinhold Wittig hatte darum gebeten, an seiner Stelle für den Fortbestand der traditionellen Veranstaltung zu sorgen.



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