Die Spielidee: Vorsicht vor Missbrauch

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Unserem heutigen Gastautor liegt viel an der richtigen Wortwahl. Dazu biete ich ihm gerne eine Plattform, denn mit roten Ohren muss auch ich zugeben, ab und zu nach der altmodischen Formulierung gegriffen zu haben. Es geht um die Spielidee, die relativ abstrakt und werkfrei ist, sich umgangssprachlich auf den Mechanismus bezieht, juristisch aber nicht schützenswerk ist. Christian Beiersdorf, im Vorstand der Spiele-Autoren-Zunft SAZ, ruft deswegen im Folgenden dazu auf, den Begriff entweder korrekt zu benutzen oder ganz darauf zu verzichten.
"Immer wieder taucht der umgangssprachliche Begriff „Spielidee“ in Bezug auf Prototypen und die dazugehörigen Spielregeln bzw. auf das ursprüngliche Werk von Spieleautoren auf. Manche Verlage verwenden diesen Begriff auch als Hinweis vor dem Namen des Autors. Einzelne Gerichte und Verlagsvertreter verwenden den Begriff „Spielidee“, um die Werke von Spieleautoren als nicht urheberrechtsfähig zu klassifizieren.
Hoppla, kann denn hier niemand Deutsch?
Schlagen wir mal in der Wikipedia nach: "Der Begriff Idee (von griechisch ????: idéa „Gestalt“, „Erscheinung“, „Aussehen“, „Urbild“) hat im Allgemeinen und im philosophischen Sprachgebrauch unterschiedliche Bedeutungen. Allgemeinsprachlich versteht man darunter einen Gedanken, nach dem man handeln kann, oder ein Leitbild, an dem man sich orientiert. (...) In der platonischen Ideenlehre sind Ideen unwandelbare, nur geistig erfassbare Urbilder, die den sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen zugrunde liegen."
Rein umgangssprachlich gesehen weiß natürlich fast jeder, was mit dem Begriff „Spielidee“ gemeint ist. Doch der unreflektierte Gebrauch hat auch juristische Folgen: Eine Idee allein begründet nämlich kein Schutzrecht, die dafür notwendige Voraussetzung ist deren Wahrnehmbarkeit durch Dritte. Die Idee muss also den Kopf verlassen. Erst dann wird aus der Idee potentiell ein urheberrechtlich relevantes Werk – vorausgesetzt, das Werk erreicht eine bestimmte Schöpfungshöhe, also ein notwendiges Maß an kreativer Eigenleistung. Das gilt natürlich für alle Werkformen, egal, ob es sich um ein Buchmanuskript, ein Musikstück, ein Gemälde – oder eben um ein Spiel handelt.
Kein Jurist würde ein Buchmanuskript oder gar ein fertiges Buch als „Idee“ bezeichnen. Da kennt man sich ja noch aus. Bei Spielen grassiert jedoch da und dort das blanke Unwissen: Urteilte doch das Mannheimer Landgericht 2008 in seiner umstrittenen Begründung in dem Verfahren des Spieleautors Reiner Knizia gegen den Humboldt Verlag, dass „Spielsysteme und Spielideen als solche nicht schutzfähig sind“ (Das Urteil im Detail).
Aus unsauberer juristischer Argumentation wird verbandspolitisches Kalkül: So teilte beispielweise die Fachgruppe Spiel, der Zusammenschluss vieler deutschsprachiger Spieleverlage, der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) offiziell mit, dass sie infrage stellt, „dass Spieleautoren Urheber im Sinne des Urhebergesetzes sein können. (…) Damit scheidet eine sachliche Diskussion zwischen der Interessenvertretung der Autoren und der Interessenvertretung der Spieleverlage aus.“
Aus gedankenloser Umgangssprache wird ein abstruses Szenario. Neulich hieß es in der Pressemitteilung eines Veranstalters, dass die Spieleautoren den Verlagen die Idee liefern. Das muss man sich mal plastisch vorstellen: Da sitzen die armen Spieleautoren und grapschen aus ihren notwendigerweise geöffneten Schädeln passende Ideen und übergeben dem Redakteur die entsprechenden Gehirnzellen in kleinen Formalinfläschchen. Es wird also Zeit für ein Anti-Präexplantations-Gesetz. Sonst besteht noch die Gefahr, dass unsere Spezies ausstirbt.
Liebe Verlage, liebe Autoren, lieber Veranstalter, liebe Journalisten, liebe Juristen: Streicht den Begriff „Spielidee“ aus Eurem Vokabular! Der Begriff wird zu 99% falsch gebraucht und hat für die Spieleautoren und deren Werke fatale Folgen."
Christian Beiersdorf – Vorstandsmitglied der Spiele-Autoren-Zunft e.V. (SAZ)

Wir merken, der Wind weht rau dort draussen zwischen Autoren und Verlagen. Rauer als früher, meine ich. Das Thema Urheberrecht bei Spielen wird unterschiedlich definiert.
Passende Themen dazu:
- SAZ setzt sich für Urheber ein.
- Spiele-Autoren stinkig über Vertragsmängel (plus Kommenatre!)


Commentaires (20)

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