Conan und der falsche Nerv?

Ich hatte es mir neulich schon fast gedacht, als ich mir neulich bei den englischen Freunden drüben von Shut Up & Sit Down die Kritik für das Conan-Spiel angeschaut habe. Das sind einfach gute Journalisten, Punkt. Die sahen sich nämlich nicht nur die Materialfülle und die Artwork an, analysierten nicht nur den Mechanismus mit Würfeln und Schiebetafel. Nein, sie gingen auch auf das Thema ein. Conan und die ganzen "Sword & Sorcery"-Geschichten von Howard sind aus den 30er Jahren - einer Zeit, in der man Frauen und Leute mit anderer Hautfarbe nicht für vollwertig hielt und in die, wenn wir nicht aufpassen, wir dank der ganzen Wutbürger womöglich zurückschlittern. Thematisches Resümee des Videos war: Zu viel Brust-Objekt, zu wenig Respekt-Subjekt.

 

Nun goss eine ehemalige Social-Media-Mitarbeiterin von Asmodee Nordamerika - dem Vertrieb des Spiels - auch noch Öl ins Feuer. Sie betont zwar, dass ihr Text nichts mit dem Unternehmen und ihrer Tätigkeit zu tun hat, aber man könnte meinen, da hätte sich etwas angestaut: In einem tumblr-Artikel schreibt Cynthia Hornbeck, dass das über Kickstarter mit 3 Millionen Dollar vorfinanzierte Miniaturenspiel ein rückständiges, toxisches Frauenbild vermittle und obendrein auch noch rassistische Tendenzen in luftige Fantasy-Garderobe stecke.

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So zeige das Cover der Spielanleitung den heroischen, weißen Conan, wie er vor einer bewusstlosen, quasi nackten Frau steht, um sie zu retten. Das Bild entspricht einem Szenario aus dem Spiel, indem die Spieler - als vornehmlich männliche Helden - die Prinzessin vor dem Opfertod bewahren müssen und sie wie eine Schatztruhe hinaustragen. Wie ein Objekt. Hornbeck geht sogar noch weiter und bezeichnet das Coverbild als Prä-Vergewaltigungs-Szenerie. 

Der einzige weibliche Helden-Charakter im Spiel ist übrigens Belit. Sie ist eine Unterstützerrolle, um die anderen männlichen Heroen stärker zu machen. Und sie ist natürlich auch halbnackt, siehe unten. 

Cynthia Hornbeck beklagt obendrein, dass die rassistischen Untertöne der literarischen Vorlage keineswegs getilgt worden seien. Die Pikten - in den Conan-Stories barbarische Krieger und optisch mit Indianern vergleichbar - und auch die Khitai - so was wie zaubernde, böse Chinesen - hätte der Verlag Monolith nicht komplett gestrichen, sondern durch eine Vermischung mit Fantasy-Elementen salonfähig gemacht. 

Asmodee Nordamerika soll Hornbeck kurz darauf mit einer Klage bedroht haben, wenn sie den Text nicht lösche. Gegenüber dem US-Branchendienst ICv2 bestreitet der Verlag das aber. Es sei um die Herausgabe von Interna gegangen, die auch sofort entfernt wurden und nun sei die Sache erledigt.

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Das Videospiele-Magazin Kotaku hat die Geschichte aufgegriffen und Monolith mal dazu befragt. Dort empfinden sie das Spiel als popkulturelles Werk, das sich möglichst getreu an den Vorlagen von Robert E. Howard, den gängigen Comic-Heften und dem "Sword & Sorcery"-Genre orientieren möchte. Hornbeck klagt aber genau das an: Die Weltsicht von Abenteuergeschichten, in denen Frauen bloß sexuell attraktive Objekte und fremde Kulturen total verwilderte Zausel sind, denen der weiße Mann sagt, wo es langgeht, müsse man heutzutage nicht in einem modernen Brettspiel glorifizieren. Wenn ein heißblütiger Conan hinter einer schreienden, halbnackten Frau herrennt, weil er sie "haben" will und die sich dann als Lockvogel für hungrige Riesen herausstellt, dann geht das vielleicht 1932. Aber 2016?

 

Monolith hat ein Spiel herausgebracht, das Conan so zeigt, wie er in der Vorlage erscheint. Die Fans wollen das. Ob es ein gesundes Weltbild zeigt, ist etwas ganz anderes. Jetzt, in der anbrechenden Ära Trump, muss man da wirklich aufpassen. Rassismus, Sexismus, ja sogar das Bild vom "edlen Wilden Conan", der endlich mal bei den degenerierten westlichen Zivilisationen durchgreift: Mich gruselt, wie sehr wir all das plötzlich wieder da haben. Ich finde, man kann durchaus ein Spiel mit dem Thema Conan machen, muss dann aber berücksichtigen, dass die Spieler eben im Jahr 2016 leben und (hoffentlich) liberaler drauf sind als vor 80 Jahren. Ansonsten darf man Monolith vorwerfen, mit genau diesen Dingen Kasse machen zu wollen. Ein 120-Dollar-Spiel, das 16.000-fach verkauft wurde, scheint ja einen Nerv getroffen zu haben. Womöglich einen moralisch falschen? Spricht genau dieses Szenario vielleicht solche Typen an, die Trump und Konsorten nachlaufen? Und: Warum griff man denn nicht zu den starken femininen Charakteren - die es durchaus auch in den Howard-Büchern gibt? Valeria, Red Sonja und auch Belit begegnen Conan auf Augenhöhe - heldenhaft und vor allem normal angezogen.

Cynthia Hornbeck ruft auf, bei solchen Dingen den Mund nicht zu halten. Als Spieler und als Reviewer. Sie betont, dass das Conan-Spiel für seine enge Verknüpfung von Thema und Mechanik gelobt sei, animiert aber gleichzeitig, dass man doch auch gut gegen Frauenfeindlichkeit und Rassismus kämpfen könnte, als damit.

Was denkt ihr? Interessiert euch das Conan-Spiel trotzdem, seht ihr das mit aufgeklärtem Abstand oder regt euch so ein Statement auf?




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